Bongo Flava

Aus Das Mount Kilimanjaro Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Bongo - eine umgangssprachliche Bezeichnung für Dar-es-Salaam und seine jugendlichen, swahilisprachige, Jugend. Bongo leitet sich ab aus dem Kisuaheli-Wot Ubongo, was "Gehirn" übersetzt heißt. Eine der vielen interpretationen des Namens heißt, dass man quasi "Köpfchen" braucht, um in Dar-es-Salaam zu überleben.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Beginn Bongo Flavas geht auf den tansanischen Hip Hop zurück, der Anfang der 90er Jahre sich zu entwickeln begann. Ende der 80er Jahre kamen die ersten Kassetten mit US-amerikanischem Hip Hop nach Tansania, doch aufgrund der schlechten informellen Infrastruktur ohne TV und nur einer Radiostation fristete er längere Zeit ein Nischendasein. Nur in den großen westlichen Hotels und den reicheren Häusern gab es die Abspielgeräte dafür. Auch die Kassetten waren teuer. Die Musik war deshalb sehr limitiert auf die wohlhabendere Bevölkerung. Nur wer Geld hatte und zudem Kontakte ins Ausland, hatte die Möglichkeit, an diese Musik heranzukommen. Der erste Kisuaheli-Rapper, dessen Texte neu und keineÜbersetzungen waren, nannte sich Mr. II aus Songea. Der Rapper mit bürgerlichem Namen Joseph Mbilinyi wurde 1972 geboren und zählt seit Ende der 90er Jahren als der Mitbegründer der tansanischen Rap-Szene und ist auch heute noch für junge Künstler ein großes Vorbild. Jedoch ist und bleibt das große Vorbild für fast alle tansanischen Bongo Flava Künstler der US-Rapper Tupac Amaru Shakur

Aktuelle Strömungen

Seit Mr. II gilt der Rapper Professor Jay als einer der großen tansanischen Künstler. Mit seinem Song "Ndiyo, mzee!" schrieb er tansanische Musikgeschichte. Als Joseph Haule wurde Professor Jay 1975 geboren und wurde bald einer der wichtigsten tansanischen Bongo Flava Acts. Während man seine Texte der radikaleren und kritischeren Szene zuordnen kann, ist und bleibt er ein unabhängiger Solo-Künstler, der zwar einige Features gesungen hat, unter anderem mit Jerooz, Sugu, Mzungu Kichaa, aber keiner der zwei großen Bongo Flava Camps in Dar-es-Salaam zugeordnet werden kann.

Heutzutage muss man den Bongo Flava meist in verschiedene Gruppen unterteilen. Zum einen gibt es aus dem ganzen Land Künstler, wie aus Arusha, Morogoro, Iringa, Mwanza, etc., jedoch ist die größte Bewegung in Dar-es-Salaam zu verzeichnen, wo die meisten Künstler einem der zwei großen Camps angehören, TMK und East Coast. TMK steht für Temeke, einem ärmeren Viertel in der Millionenstadt. Die Texte der zugehörigen Künstler sind eher radikal und kritisch. Der Hintergrund ist, dass die meisten der Künstler in solchen Vierteln aufgewachsen sind und so schon immer kämpfen mussten um zu überleben. Im Gegensatz dazu gibt es die East Coast, dessen Wurzeln im Viertel Upanga liegen, wo vor allem die Mittel- und Oberschicht beheimatet ist. Dementsprechend sind die Texte der hier ansässigen Künstler auf Freude aus und berichten von den Sonnenseiten des Lebens.

Einflussnahme und Beeinflussung

Schon länger kennen Parteien, NGO's und Firmen den Einfluss von Bongo Flava auf die Bevölkerung. Deshalb arbeitete zum Beispiel UNICEF mit Bongo Flava Künstlern zusammen, um in einer HIV/AIDS Kampagne ihre Nachricht zu verbreiten. Doch auch Bongo Flava Künstler haben einen Einfluss und wissen, dass Sie mit ihren Nachrichten die Menschen erreichen. In Tansania kam es beim Wahlkampf 2005 schließlich zu einem öffentlichen Diskurs über Politik: Politiker arbeiteten mit Musikern zusammen, damit diese die Parteien in ihren Liedern anpriesen, und Musiker wurden selbst politisch aktiv und sangen Lieder - mit Witz, Ironie und oftmals nicht schmeichelhaft - über die Wahlen, über Wähler, über Politiker und über Parteien. Die Wahlen fanden 2005 bereits das dritte Mal seit der Einführung des Mehr-Parteien-Systems statt. In all den Jahren seit 1992 gab es im Grunde nur eine große Partei, die CCM ('Chama cha Mapinduzi' - 'Partei der Revolution'), welche die Wahl mit Abstand gewann. Einzig auf Sansibar gab es mit der CUF ('Civic United Front') einen ernsthaften Rivalen. Trotzdem waren ganze 18 Parteien für die Wahl angemeldet.Schon während des Wahlkampfs wurden viele Lieder produziert, die die politische Situation thematisierten und kritisierten, doch es ging nicht explizit um die Wahlen sondern eher um Versäumnisse der Regierung, oder um falsche Versprechungen der Politiker.

In dem Lied 'Kura Yangu' ('Meine Wahl’) von Dr. Levy und Sugu geht es zum Beispiel um Politiker. die mit Bestechungsgeschenken Stimmen fangen wollen. Gesetzlich istdiese Praktik nicht genau geregelt. Deshalb schrieben sie den Song, um die Wähler aufzufordern, ihre Stimmen nicht zu verkaufen. Vielmehr sollten sie erkennen, dass durch Wahlen vor allem Einfluss auf die Gesellschaft und den Staat genommen werden kann. Zugleich wurden auch Korruption und nicht gehaltene Wahlversprechen musikalisch thematisiert.

Der Song 'Anafaa' ('Er passt') wurde dagegen von den TMK Wanaume herausgebracht. Obwohl TMK normalerweise für die kritischeren und radikaleren Texte steht, hat sich die Crew um Juma Nature als Unterstützer der CCM hervorgetan. In dem Lied wird besungen, warum Kandidat Jakaya Kikwete in das Amt des Präsidenten 'passt'. Da in dem Lied vor allem 'wir' benutzt wird, wollen die Musiker damit automatisch die Bongo Flava Künstler generalisieren, um gerade das jüngere Publikum zu überzeugen. In dem Lied werden vor allem Gefühle angesprochen, auch bei einem Vergleich mit Julius Nyerere.

--Daudi 23:38, 1. Feb. 2012 (CET)


Quellen

zit. aus "Bongo Flava in Tansania - Eine Chance für die Jugend?" , Universität Leipzig, David Heidler, 2011



Das Mount Kilimanjaro Wiki ist ein Projekt von : www.mount-kilimanjaro.de, dem deutschen Informationsportal zum höchten Berg Afrikas, mit Unterstützung der User des Mount-Kilimanjaro-Forums !

free counters
Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Schnellzugriff
Kilimanjaro-Infos
Kategorien
Werkzeuge
Deine Werbung
Deine Spende

Unterstütze die Arbeit des Mount-Kilimanjaro-Wikis mit einer Spende - Danke !
Wiki-Support-Banner
Nr. 01
Wiki-Support-Banner
Nr. 02
Kilimanjaro.bplaced.net website reputation